Qualitätsmanagement an Realschulen und allgemeinbildenden Gymnasien

Denkschrift 2016, Beitrag Nr. 11 (Kapitel 0403, 0404, 0410, 0416 und 0442)

Seit 2006 sind die Selbst- und Fremdevaluation als Teil eines umfassenden Qualitätsmanagements im Schulgesetz verankert. Weitere Instrumente sind die Zielvereinbarungen und das Bilanzgespräch der Schule mit der Schulaufsicht. Die Kosten bei den 683 untersuchten Schulen betrugen im 5-Jahres-Zeitraum 51,6 Mio. Euro.

Nahezu alle Schulen waren fremdevaluiert. Zwei Drittel urteilten, dass die Fremdevaluation positiv auf den Schulentwicklungsprozess wirke. Allerdings empfanden sie den Zeitaufwand hierfür als zu hoch. Auch waren sie mit dem 5-Jahres-Rhythmus nicht einverstanden. Ein Drittel der Schulen erachtete eine einmalige Evaluation als ausreichend, ein weiteres Drittel wünschte sich einen längeren Zeitraum zwischen den Evaluationen.

Die Ergebnisse von Diagnose- und Vergleichsarbeiten, Versetzungsquoten, Durchschnittsnoten der Abschlussklassen oder Anzahl der Schulabbrecher wurden nicht in den Evaluationsbericht aufgenommen. Diese Kennzahlen fehlten als Teil der Qualitätsdiskussion an den Schulen.

Die Zielvereinbarungen waren teils oberflächlich oder unvollständig dokumentiert. Praktikable Vorgaben für die Dokumentation fehlten. Der bei der Evaluation festgestellte Entwicklungsbedarf schlug sich bei den Zielvereinbarungen nicht genügend nieder.

Parlamentarische Behandlung

Der Landtag hat die Landesregierung gebeten, die Schulen für die Fremdevaluation zukünftig datengestützt und risikoorientiert auszuwählen und das Zeitintervall zwischen den Fremdevaluationen flexibler zu gestalten. Ferner sollte die Landesregierung prüfen, inwieweit weitere relevante Qualitätsfaktoren und Kennzahlen in den Qualitätsmanagementprozess eingebunden werden können. Hierzu sollten geeignete Kennzahlen in die Evaluationsberichte aufgenommen sowie die Zielvereinbarungen zeitnah nach der Fremdevaluation getroffen und deutlicher an den defizitären Handlungsfeldern ausgerichtet werden.

Reaktion der Landesregierung

Die Landesregierung hat mitgeteilt, dass an einem neuen Qualitätskonzept für das Bildungssystem in Baden-Württemberg gearbeitet werde. Es solle die Weichen für eine konsequente Orientierung an Qualität und Leistungsfähigkeit im gesamten Schulsystem stellen.

Strukturell umgesetzt sei dieses Konzept zum 1. März 2019 durch die Errichtung des „Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung“(ZSL), welches Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung systematisch miteinander verknüpfen solle und des „Instituts für Bildungsanalysen Baden-Württemberg“ (IBB). Aktuell entwickle das IBB eine neue Gesamtkonzeption für ein strategisches Bildungsmonitoring und eine datengestützte Qualitätsentwicklung für das Bildungssystem. Als künftige Grundlage würden Daten für verschiedene Ebenen z. B. der Einzelschule oder der Schulaufsicht, adressatenspezifisch aufbereitet werden.

Neuer Kernprozess auf Ebene der Schulen würden regelmäßig stattfindende „Statusgespräche“ zwischen Schulleitungen und zuständiger Schulaufsicht sein, die in eine Ziel- und Leistungsvereinbarung münden. Die Gespräche würden auf Basis von qualitätsrelevanten Kennzahlen geführt werden. Außerdem würden die Ergebnisse, der turnusmäßigen internen Evaluationen einbezogen werden. Das IBB solle die Schulen hierbei unterstützen, indem es wissenschaftlich fundierte Datenerhebungsinstrumente in den nächsten Jahren entwickele und pilotiere. Parallel solle es beim ZSL passende Fortbildungs- und Beratungsangebote für Schulen und Schulaufsicht geben, um Kompetenzen im Bereich Evaluation, Analyse und Interpretation von Evaluationsdaten und Kennzahlen bei Lehrkräften, Schulleitungen und Schulaufsicht weiter aufzubauen.

Zur Generierung weiterer notwendiger Daten solle die externe Evaluation künftig vorrangig bedarfsgerecht und risikoorientiert durchgeführt werden.

Außerdem solle jährlich mittels einer kleinen repräsentativen Stichprobe eine „Standardevaluation“ mit ausgewählten zentralen „Themenmodulen“ vom IBB durchgeführt werden, um die Qualitätsentwicklung der Schulen weiter im Blick zu behalten und zeitnah auf systembedingte Defizite reagieren zu können.

Parlamentarische Erledigung

Der Beitrag ist noch nicht parlamentarisch erledigt. Die Landesregierung hat dem Landtag bis zum 31.12.2020 erneut zu berichten.

Letzte Änderung dieses Artikels: 18.05.2020