[14] Bildungsangebot der Berufskollegs

Denkschrift 2007 Beitrag Nr. 18 (Kapitel 0420)

Der Rechnungshof untersuchte die zweijährigen Bildungsgänge zum Wirtschaftsassistenten bzw. Technischen Kommunikationsassistenten. Im Schuljahr 2005/2006 besuchten mehr als 14.000 Schüler diese Berufskollegs. Etwa 80 Prozent davon nahmen am freiwilligen Zusatzunterricht zum Erwerb der Fachhochschulreife teil, obwohl nur wenige studieren wollten. Die berufsqualifizierenden Abschlüsse des Berufskollegs sind zwar staatlich anerkannt, werden jedoch von den Betrieben oft nicht akzeptiert. Daher müssen die Absolventen, wenn sie in das Berufsleben einsteigen wollen, meist nochmals die duale Ausbildung durchlaufen. Dabei werden die im Berufskolleg erworbenen Qualifikationen oft nur zu einem geringen Teil angerechnet. Die Ausbildungsdauer wird dadurch faktisch verlängert. Um die Effektivität des Berufskollegs zu verbessern, empfahl der Rechnungshof zu prüfen, inwieweit die Bildungsgänge durch einen einjährigen Bildungsgang für Schüler mit dem Hauptziel duale Ausbildung und einen zweijährigen Bildungsgang für Schüler mit dem Hauptziel Studium ersetzt werden könnten. Diese schulischen Angebote sollten sich am tatsächlichen Bildungsbedarf orientieren und mehr als bisher auf die regionalen Bedürfnisse eingehen. Die Umsetzung dieser Vorschläge ergab rechnerisch ein jährliches Einsparvolumen von rund 14 Mio. Euro.

Parlamentarische Behandlung

Der Landtag hat die Landesregierung ersucht, ihm über Änderungen bei den Berufskollegs und über die konkreten Ergebnisse zu berichten. Ebenso soll sie über die Umsetzung des Berufsbildungsreformgesetzes im Hinblick auf die Anrechnung von Zeiten schulischer beruflicher Ausbildung auf eine duale Ausbildung und zur Zulassung zur Kammerprüfung berichten.

Reaktion der Landesregierung

Die Landesregierung hat mehrere Maßnahmen vorgestellt, mit denen sie die Bildungsangebote noch stärker auf die wirklichen Ziele der Jugendlichen ausrichte. Im dualen System der Berufsausbildung sehe sie das beste Konzept für den Erwerb praxisnaher und bedarfsorientierter Berufsqualifikationen. Die Berufsausbildung könne auf gemeinsamen Antrag von Auszubildenden und Ausbildenden verkürzt werden. Auf verpflichtende Regelungen wolle sie mit Rücksicht auf die Wirtschaft verzichten.

Parlamentarische Erledigung

Der Landtag hat von dem Bericht der Landesregierung Kenntnis genommen und das parlamentarische Verfahren am 11.03.2010 beendet.

Bewertung Zielerreichung

Die Landesregierung stellte bisher nicht dar, inwieweit die Berufskollegs von der Wirtschaft jetzt besser akzeptiert werden. Aus Sicht des Rechnungshofs wäre in einem angemessenen Zeitabstand eine erneute Überprüfung durch die Landesregierung sinnvoll.