Schlossfestspiele Ettlingen und Ludwigsburger Schlossfestspiele [Beitrag Nr. 24]

Die Schlossfestspiele Ettlingen sind ein gut organisiertes kommunales Theaterfestival, dessen Ausstrahlung eine Beteiligung des Landes im bewährten Umfang rechtfertigt.

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele sind als Internationale Landesfestspiele definiert und erhalten deshalb eine sehr hohe Landesförderung. Da der damit verbundene Anspruch in den letzten Jahren nicht mehr erfüllt werden konnte, sollte der Zuschuss des Landes auf 20 Prozent der Ausgaben gesenkt werden.

1 Ausgangslage

Baden-Württemberg verfügt über ein breit gefächertes und abwechslungsreiches Kulturangebot. Die ganzjährig tätigen Kultureinrichtungen, wie z. B. die professionellen Theater und Orchester, werden durch saisonal arbeitende Theater- und Musikfestspiele ergänzt. Das Land fördert derzeit 16 Theaterfestspiele institutionell sowie etliche Musikfestspiele.

Der Rechnungshof hat 2013 aus dem Kreis der vom Land institutionell geförderten Festspiele die Schlossfestspiele Ettlingen und die Ludwigsburger Schlossfestspiele geprüft. Betrachtet wurde der Prüfungszeitraum 2007 bis 2012.

Die Schlossfestspiele Ettlingen sind eine Veranstaltung der Stadt Ettlingen und werden als kommunaler Regiebetrieb geführt. Sie bieten jedes Jahr als Hauptinszenierungen ein Schauspiel, ein Musical und ein Kinderstück an. Wichtigste Aufführungsstätte ist der Schlosshof in Ettlingen. Die Schlossfestspiele wurden 1979 von Kurt Müller-Graf und Erwin Vetter gegründet und finden seither jährlich ihr Publikum, das weit überwiegend aus der Stadt Ettlingen und der Region Karlsruhe kommt.

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele werden in der Rechtsform einer gGmbH geführt. Gesellschafter ist ein von der Stadt Ludwigsburg ins Leben gerufener eingetragener Verein. Die Schlossfestspiele verfügen für die Dauer ihrer Saison (Mai bis Juli, teilweise darüber hinaus) über ein eigenes Ensemble (Chor und Orchester). Sie veranstalten überwiegend Konzerte, in geringerem Umfang auch Opern-, Tanz- und Schauspielaufführungen. Die Ludwigsburger Schlossfestspiele wurden 1932 von Wilhelm Krämer als „Ludwigsburger Schlosskonzerte“ gegründet. Die Bezeichnung „Ludwigsburger Schlossfestspiele“ etablierte sich 1966.

2 Prüfungsergebnisse

2.1 Allgemeine Feststellungen

Der Landesförderung der Festspiele liegt keine einheitliche Förderstruktur zugrunde. Es gibt Festspiele, die in die Landesförderung aufgenommen wurden, bevor das Land Förderkriterien festlegte. Bei der Aufnahme der Schlossfestspiele Ettlingen in die Landesförderung wurde die Höhe der Zuwendungen zunächst an die Zuschüsse der Burgfestspiele Jagsthausen und der Freilichtspiele Schwäbisch Hall angepasst.

Später wurde der Landesförderung der Festspiele regelmäßig das Verhältnis 2 zu 1 (Kommune : Land) zugrunde gelegt. Dabei orientierte sich das Land, wie sich aus den Akten des Ministeriums ergibt, an den Regeln der Kleintheaterförderung (2 zu 1).

2.2 Feststellungen zu den Schlossfestspielen Ettlingen

Die durchschnittlichen Besucherzahlen bei den Schlossfestspielen Ettlingen lagen im geprüften Zeitraum bei 34.300 jährlich. Mit Ausnahme eines Jahres, in dem die Festspiele unter Baumaßnahmen im Schloss zu leiden hatten, waren die Zuschauerzahlen im Wesentlichen konstant.

Im Durchschnitt der geprüften Jahre kommen die Ettlinger Schlossfestspiele auf 109 Veranstaltungen.

Die Zuschauerresonanz der Festspiele beschränkt sich auf die Stadt Ettlingen und die Region Karlsruhe - Zuschauer, die aus anderen Regionen nach Ettlingen kommen, sind eher die Ausnahme.

Die Organisation der Festspiele ist sparsam und effizient. Technische und Verwaltungsaufgaben werden (wenn auch teilweise gegen innere Verrechnung) von den zuständigen Ämtern der Stadt Ettlingen wahrgenommen, die Festspiele selbst sind als Abteilung dem Kultur- und Sportamt zugeordnet. Der Intendant wird von der Stadt Ettlingen auf der Grundlage eines mehrjährigen Honorarvertrags beschäftigt - er leitet nicht nur die Festspiele, sondern inszeniert auch jedes Jahr mindestens eines der Stücke. Die Sänger und Schauspieler werden von der Stadt Ettlingen befristet angestellt bzw. auf Honorarbasis beschäftigt. Die Organisation der Schlossfestspiele als kommunaler Regiebetrieb hat sich auch aus Sicht des Rechnungshofs bewährt und vermeidet aufwendige Doppelstrukturen.

2012 verursachten die Schlossfestspiele Ausgaben von 1,4 Mio. Euro. Davon erwirtschafteten sie einen beachtlichen Eigenfinanzierungsanteil von 50,9 Prozent. Den nach Abzug der eigenen Einnahmen verbleibenden Finanzierungsbedarf von 682.000 Euro teilen sich die Stadt Ettlingen und zum kleineren Teil das Land Baden-Württemberg. Das Land wendete den Schlossfestspielen 115.900 Euro zu. Diese Summe entspricht etwa einem Sechstel des durch Eigeneinnahmen nicht gedeckten Finanzbedarfs.

Das Verhältnis der Förderung durch die Stadt und das Land ist aus der Sicht des Rechnungshofs nicht zu beanstanden. 2012 betrugen die Landeszuschüsse 1.125 Euro je Veranstaltung und 3,10 Euro je Besucher.

2.3 Ludwigsburger Schlossfestspiele

Die Leitung der Ludwigsburger Schlossfestspiele hat sich zum Ziel gesetzt, Jahr für Jahr ein künstlerisch anspruchsvolles Programm häufig mit individuell konzipierten Veranstaltungen anzubieten. Sie greift dabei weniger als ihre nationale Konkurrenz auf Standardangebote des Musikmarktes zurück.

Gleichwohl sind die Veranstaltungs- und Besucherzahlen in Ludwigsburg im Untersuchungszeitraum rückläufig. Von 2007 bis 2009 erreichten sie mit jährlich durchschnittlich 89 Veranstaltungen rund 43.300 Besucher. Von 2010 bis 2012 waren es noch durchschnittlich 67 Veranstaltungen mit 29.100 Besuchern im Jahr. Weitaus höhere Besucherzahlen hatten die Schlossfestspiele einige Jahre zuvor erreicht. 1996 und 1998 hatten 55.761 bzw. 65.000 Zuschauer die Veranstaltungen der Schlossfestspiele besucht. Nach Mitteilung des Geschäftsführers sind die Besucherzahlen 2013 und 2014 wieder leicht angestiegen und erreichen die Marke von 35.000 Besuchern.

Von 2007 bis 2014 sind die Gesamtausgaben von 4,458 Mio. Euro (2007) auf 3,827 Mio. Euro (2014) gesunken, während parallel die institutionelle Förderung des Landes von 0,831 Mio. Euro (2007) auf 0,854 Mio. Euro (2014) gestiegen ist. Dazu kommt ein jährlicher Mietverzicht von 30.600 Euro.

Durch eigene Einnahmen konnten die Ludwigsburger Schlossfestspiele im Prüfungszeitraum bemerkenswerte 55,5 Prozent ihrer Ausgaben decken. Ursächlich dafür sind nicht nur die dem künstlerischen Wert angemessenen Eintrittsgelder in beachtlicher Höhe, sondern auch ein hoher Anteil an Einnahmen aus Spenden und Sponsoring (Jahresdurchschnitt 18,5 Prozent).

Aufgrund ihrer Widmung zu „Landesfestspielen" erhalten die Ludwigsburger Schlossfestspiele eine im Vergleich zu anderen Festspielen erhöhte Förderung. Das Land einerseits, Stadt und Landkreis Ludwigsburg andererseits beteiligen sich zu gleichen Teilen (1 zu 1) an dem Jahr für Jahr entstehenden Defizit. Bemerkenswert ist, dass in 2007 bis 2012 das Land den Schlossfestspielen insgesamt sogar 368.000 Euro mehr zuwendete als die Stadt und der Landkreis Ludwigsburg zusammen.

Das Land gewährte 2012 Zuschüsse von 13.300 Euro je Veranstaltung und von 30,18 Euro je Besucher. Rechnet man die kommunalen Zuschüsse hinzu, ergeben sich Gesamtzuschüsse von 26.695 Euro je Veranstaltung und von 60,58 Euro je Besucher.

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele boten durchschnittlich sechs Siebtel ihrer Veranstaltungen in der Stadt Ludwigsburg an und erreichten damit durchschnittlich mehr als 90 Prozent ihrer Zuschauer vor Ort. Annähernd 50 Prozent der Besucher wohnen in unmittelbarer Nähe zum Sitz der Festspiele in Stadt und Landkreis Ludwigsburg. Eine Erhebung der Schlossfestspiele ergab, dass weitere 29 Prozent der Zuschauer aus der Stadt und der Region Stuttgart kommen. Die Ludwigsburger Schlossfestspiele sind nach Veranstaltungsorten und der Besucherstruktur mithin eher eine kommunale und regionale Veranstaltung (geworden).

Die 1980 intendierte überregionale und internationale Ausstrahlung kommt zwar - wie die Geschäftsführung und das Ministerium darlegen - in der Berichterstattung und auch in der Wiedergabe in überregionalen Medien zum Ausdruck. Besucherzahl und -struktur spiegeln die nationale und internationale Ausstrahlung nur eingeschränkt wider. Früher praktizierte Abstecher in andere Länder und ins Ausland finden seit 2007 (Ausnahme Gastspiel in Frankreich 2011) fast nicht mehr statt. Eine Funktion als kultureller Botschafter des Landes kommt den Ludwigsburger Schlossfestspielen nach den aktuellen Verhältnissen nicht (mehr) zu.

Bei der Prüfung zeigten sich auf der Ausgabenseite vereinzelte Wirtschaftlichkeitspotenziale: So stellte der Rechnungshof fest, dass die Leitung der Festspiele und die Dramaturgie zu viel Personalressourcen in Anspruch nahmen. Zweifelhaft ist auch, ob die gestufte Organisation Stadt Ludwigsburg - Trägerverein - gGmbH wirklich das organisatorische Optimum darstellt.

Im Bereich Marketing/Öffentlichkeitsarbeit galt die Kritik des Rechnungshofs dem Verhältnis zwischen einem hohen Ressourceneinsatz und einer in manchen Jahren bescheidenen Wirkung.

3 Bewertung und Empfehlungen

3.1 Allgemein

Die Struktur der Förderung der Festspiele ist nicht nur uneinheitlich, sondern auch nicht an allen Stellen transparent und nachvollziehbar.

Der Rechnungshof empfiehlt dem Wissenschaftsministerium zu prüfen, ob die Parameter der Förderung in einer Richtlinie nachvollziehbar und unter Vermeidung von hohem Abrechnungsaufwand geregelt werden können.

3.2 Schlossfestspiele Ettlingen

Die Schlossfestspiele Ettlingen sind sparsam und effizient organisiert, erreichen nachhaltig ihr Publikum und bieten eine solide Perspektive für die kommenden Jahre.

Die Höhe des kommunalen und des Landeszuschusses je Besucher (zusammen rund 18 Euro) zeigt, dass die Schlossfestspiele mit überschaubarem Aufwand eine beachtliche Ausstrahlung erzielen.

Der Rechnungshof empfiehlt,

  • die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing (auch über die Region hinaus) zu intensivieren, um eine noch bessere Auslastung der Veranstaltungen zu erreichen,
  • die Eintrittspreise regelmäßig angemessen zu erhöhen und
  • die Landesförderung der Schlossfestspiele Ettlingen im bewährten Umfang beizubehalten.

Möglicherweise ist auch das Potenzial an Einnahmen aus Sponsoring und Spenden noch nicht ausgeschöpft und lohnt weitere Anstrengungen.

3.3 Ludwigsburger Schlossfestspiele

Die in der Prüfungsmitteilung des Rechnungshofs empfohlenen Verbesserungen auf der Ausgabenseite wurden von der Geschäftsführung der Schlossfestspiele aufgegriffen. Die Doppelstruktur in Intendanz und Geschäftsführung wurde mittlerweile aufgehoben, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit neu organisiert.

Nach wie vor ungelöst ist das Problem, dass die Besucherzahlen und die Resonanz noch immer deutlich hinter den Zahlen der letzten Jahrzehnte zurückbleiben. Offenbar haben sich die Zahlen in den letzten beiden Jahren verbessert, es bleibt aber auch danach eine spürbare Differenz zu früheren Erfolgen.

Bemerkenswert hoch ist in Ludwigsburg nach wie vor der Ertrag aus Spenden und Sponsoring.

Der hohe Gesamtzuschuss je Besucher von rund 60 Euro, mag er auch seit Abschluss der Prüfung des Rechnungshofs leicht gesunken sein, zeigt, dass die Festspiele sich weiter um eine Verbesserung ihrer Attraktivität und Ausstrahlung bemühen müssen.

Der Rechnungshof empfiehlt den Ludwigsburger Schlossfestspielen,

  • die im Vergleich zu anderen Kultureinrichtungen erfolgreichen Aktivitäten auf dem Gebiet der Spendenwerbung und des Sponsorings fortzuführen und weitere (von der Geschäftsführung selbst benannte) Potenziale auszuschöpfen und
  • die auf den Weg gebrachten Verbesserungen der Effektivität des Marketings weiterzuführen. Möglicherweise muss dazu auch das künstlerische Profil geschärft werden.

Dem Wissenschaftsministerium empfiehlt der Rechnungshof,

  • die Förderung der Ludwigsburger Schlossfestspiele in Würdigung des eigenen Ensembles und der aufwendigen Spielorte in der Stadt Ludwigsburg an dem Fördermodus der Kommunaltheater zu orientieren (Land: 40 Prozent des Abmangels und Stadt und Landkreis: 60 Prozent des Abmangels) und
  • bei der Festsetzung der jährlichen Zuwendung von einem festen Eigenfinanzierungsanteil der Schlossfestspiele von 50 Prozent auszugehen.

Damit trüge das Land einerseits der Tatsache Rechnung, dass der Einzugsbereich der Besucher der Ludwigsburger Schlossfestspiele heute im Wesentlichen lokal und regional begrenzt ist. Andererseits honorierte es die erfolgreichen Anstrengungen im Einwerben von Mitteln aus Spenden und Sponsoring, die über den fingierten Anteil hinaus wirtschaftlich in vollem Umfang den Festspielen verblieben und sich nicht zuschussmindernd auswirkten.

Eine Hochrechnung des Rechnungshofs auf Basis einer jährlichen Ausgabensteigerung von 2 Prozent ergibt, dass dieser neue Fördermodus bei realistisch angenommenen Gesamtausgaben von 4 Mio. Euro jährlich im Jahr 2020 zu einem gegenüber 2014 um 54.500 Euro reduzierten Landeszuschuss von 800.000 Euro führen würde.

Geschäftsgrundlage der künftigen Förderung sollte allerdings sein, dass in einer Zielvereinbarung zwischen Land und der Festspiel-GmbH eine Besucherzahl von jährlich 40.000 vereinbart wird. In 2007 bis 2009 erreichten die Schlossfestspiele deutlich über 40.000 Besucher. Daran sollte die Zielvereinbarung anknüpfen.

Sollte es den Schlossfestspielen gelingen, wieder eine internationale Ausstrahlung zu erzielen, was sich in deutlich höheren Besucherzahlen und einer veränderten Besucherstruktur, Veranstaltungen auch außerhalb Baden-Württembergs und im Ausland und in lebendigen Partnerschaften mit ausländischen kulturellen Institutionen manifestiert, dann könnte über eine erneute Förderquote von 25 Prozent der Gesamtausgaben nachgedacht werden.

4 Stellungnahmen

4.1 Stadt Ettlingen

Die Stadt Ettlingen teilt mit, dass sie die Empfehlungen des Rechnungshofs teilweise umgesetzt habe. Beispielsweise habe sie die Eintrittspreise in der Spielzeit 2015 um rund 10 Prozent für das Musical und das Schauspiel erhöht. Bei den Hauptproduktionen habe sie die Eintrittspreise in den letzten Jahren regelmäßig erhöht. Für 2016 sei die nächste Erhöhung angedacht. Die Beibehaltung der Rechtsform als Regiebetrieb der Stadt liege auch im Interesse der Stadt Ettlingen.

Der Landeszuschuss je Besucher sei mit 3,10 Euro im Vergleich zu allen anderen Theatern in Deutschland extrem niedrig. Daher bestehe hier Verbesserungsbedarf.

Die Stadt Ettlingen sieht die Schlossfestspiele Ettlingen hinsichtlich der Ausstrahlung und der Außenwirkung vergleichbar mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen. 23 Prozent der Besucher kämen überregional aus einem Umkreis von über 70 km, davon rund 2,4 Prozent aus dem Ausland. Der regionale Einzugsbereich überwiege mit rund 77 Prozent. Sie stelle daher die Frage, ob die Schlossfestspiele eine gleichwertige Landesförderung wie die Ludwigsburger Schlossfestspiele erhalten müssten.

Eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit und des Marketings könne nur durch einen höheren und qualifizierten Personaleinsatz erreicht werden. Dies müsse aufgrund der anfallenden Personalkosten geprüft werden. Ein höheres Potenzial an Spenden und Sponsoring sei kaum umsetzbar.

4.2 Ludwigsburger Schlossfestspiele gGmbH

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele führen an, dass ihr zentraler Spielort immer Ludwigsburg mit dem barocken Residenzschloss gewesen sei. Es sei nicht als landesweites „Flächenfestival“ nach dem Vorbild des Schleswig-Holstein-Musikfestivals entwickelt worden.

Das Verhältnis von Veranstaltungen in und außerhalb von Ludwigsburg sei seit der Ernennung zu Landesfestspielen stabil. Der Rechnungshof beurteile die Schlossfestspiele als eine kommunale und regionale Veranstaltung auf der Basis einer aktuellen Besucheranalyse. Der vermutete Wandel der Besucherstruktur sei lediglich Spekulation. In den kommenden Jahren seien weitere Gastspiele im Ausland vorgesehen. Koproduktionen und Auftragswerke der Schlossfestspiele seien nicht berücksichtigt worden. Diese seien deutschland- und weltweit zu sehen gewesen. Damit erreichten die Schlossfestspiele ein breites internationales Publikum, erzielten internationale Aufmerksamkeit und erfüllten so nachhaltig die Rolle als kultureller Botschafter von Stadt, Region und Land. Im Verständnis der Ludwigsburger Schlossfestspiele bedeute der Begriff der „Internationalen Festspiele“ nicht ausschließlich die Präsenz der Festspiele im Ausland, sondern auch, dass internationale Künstler und Produktionen in Ludwigsburg zu erleben seien. Dies entspreche dem Gedanken einer Festspielstadt, in der „die Welt zu Gast ist“.

Bei der Bewertung der Besucherzahlen sei zu berücksichtigen, dass insbesondere die Festivallandschaft in den letzten Jahren einem starken Wandel unterlegen sei und sich die Konkurrenzsituation verstärkt habe. Ebenso hätten die Schlossfestspiele aufgrund des Intendantenwechsels eine neue programmatische Ausrichtung erhalten. Ziel sei, dem Festival eine wahrnehmbare künstlerische Kontur zu verleihen und es als Marke nachhaltig neu zu positionieren. Ein Besucherrückgang in der Folge sei nicht ungewöhnlich.

Das aktuelle künstlerische Konzept habe sich inzwischen etabliert. Dies würden die aktuellen Besucherzahlen belegen. Das heute geringere Durchschnittsalter der Besucher sei für die künftige Entwicklung der Publikumsstruktur besonders wichtig. Eine Zielvereinbarung mit 40.000 Besuchern sei nur mit einer höheren Zahl an Veranstaltungen und höheren Zuschüssen erreichbar.

4.3 Stadt Ludwigsburg

Die Stadt Ludwigsburg hat im Rahmen der Stellungnahme der Ludwigsburger Schlossfestspiele Stellung genommen.

Sie vertritt die Ansicht, dass das finanzielle Volumen der Landesförderung der Ludwigsburger Schlossfestspiele im Vergleich zur Förderung der Spitzenkultur in den anderen zehn großen Städten des Landes vertretbar sei. Der Zuschuss habe sich mit Blick auf die Lohnentwicklung der letzten zehn Jahre relativ sogar vermindert. Diskutiert werden solle eher eine Anpassung der Zuschüsse nach oben.

4.4 Wissenschaftsministerium

Das Wissenschaftsministerium teilt mit, dass es die Förderung der Schlossfestspiele Ettlingen mit einer leichten Steigerung im bewährten Umfang fortsetzen werde.

Die Empfehlungen zur künftigen Förderung der Ludwigsburger Schlossfestspiele gefährdeten nach seiner Ansicht die Schlossfestspiele existenziell. Um weiterhin herausragende künstlerische Produktionen mit überregionaler Ausstrahlung zu ermöglichen, halte es Landeszuschüsse in der bisherigen Höhe von 854.500 Euro für sinnvoll.

Die Ausstrahlungskraft eines Festivals dürfe nicht nur an der Zahl der Besucher und ihrer geografischen Herkunft gemessen werden. Es müsse insbesondere die öffentliche Wahrnehmung eines Festivals in der Presse und Öffentlichkeit berücksichtigt werden. „Internationale Festspiele“ bedeute, dass die besten Ensembles und Künstler der Welt zu Gast seien und das Programm internationale künstlerische Entwicklungen reflektiere.

Es sei bei Festivals nicht unüblich, dass die Zahl der Besucher vorübergehend sinke, wenn ein Festival durch einen Intendantenwechsel ein neues Profil erhalte. Dies sei bei den Schlossfestspielen mit Beginn der aktuellen Intendanz der Fall gewesen. Die Schlossfestspiele seien bei der Gewinnung neuen Publikums zuletzt sehr erfolgreich gewesen. Die Besucherzahlen seien 2014 auf über 35.000 angestiegen. Für 2015 sei mit einer weiteren Steigerung zu rechnen.

5 Schlussbemerkung

Die Empfehlung des Rechnungshofs zur künftigen Förderung der Ludwigsburger Schlossfestspiele führt ausgehend von der Förderung 2014 zu einer Reduzierung der Landeszuschüsse um rund 6,4 Prozent auf 800.000 Euro jährlich. Diese Differenz kann allein durch die bereits umgesetzten Empfehlungen zur Leitungsstruktur kompensiert werden und ist daher keinesfalls existenzbedrohend.

Die unbestritten gute Presseresonanz genügt aus Sicht des Rechnungshofs nicht allein als Maß für die überregionale und internationale Ausstrahlung. Eine Rolle spielen auch Koproduktionen und Auftragswerke, die andernorts dargeboten werden. Internationale Künstler und Produktionen in Ludwigsburg bereichern umgekehrt das künstlerische Angebot in Ludwigsburg selbst. Der Anspruch des Landes („Internationale Landesfestspiele“ - siehe Kultur 2020. Kunstpolitik für Baden-Württemberg) beinhaltet auch, durch auswärtige Gastspiele die Ludwigsburger Schlossfestspiele und damit das Land Baden-Württemberg überregional und im Ausland zu repräsentieren. Die Ludwigsburger Schlossfestspiele sollten daher an ihre frühere Praxis anknüpfen und vermehrt auch überregional und international auftreten.